

Informationen zu Insektiziden und zu Inhaltsstoffen konventioneller Mittel
1. Allgemeines zu Insektiziden:
Insektizide werden grundsätzlich in 1.1: natürliche Insektizide und 1.2: synthetische Insektizide eingeteilt.
1.1 Natürliche Insektizide
sind die so genannten Pyrethroide: Die insektizide Wirkung beruht bei dem Hauptwirkstoff des Pyrethrums, dem Pyrethrin I, auf einer Beeinflussung der Natriumkanäle der Nervenmembranen. Die geringe Stabilität sowie die hohen Herstellungskosten verhindern eine ökonomisch sinnvolle Verwendung in der Landwirtschaft, zumal analoge synthetische Verbindungen leicht herzustellen sind.
Rotenoide: Diese Verbindungen, die in Wurzeln und Samen von in tropischen Gebieten beheimateten Schmetterlingsblütlern auftreten, werden seit Jahrhunderten zur Ungezieferbekämfung, zur Bereitung von Pfeilgiften und zur Betäubung von Fischen eingesetzt. Es sind im allgemeinen farblose, wasserlösliche giftige Substanzen. Die Wirkung als Insektizid beruht auf einer Störung des wichtigen Citronensäure-Cyclus.
Alkaloide: Unter einem Alkaloid versteht man gewöhnlich einen stickstoffhaltigen, basischen, in einer Pflanze vorkommenden Stoff mit einer ausgeprägten, charakteristischen physiologischen Wirkung .Chemisch gesehen stellen die Alkaloide keine einheitliche Stoffgruppe dar. Einige Beispiele für Alkaloide: das aus der Tabakpflanze gewonnene Nicotin, das Opium und das früher als Malariabekämpfungsmittel verwendete und heutzutage in einige Getränken vorkommende Chinin.
Endotoxine: Endotoxine sind giftige Stoffe, die aus Bakterien isoliert werden. Sie sind bei allen sog. Enterobacteriaceae, eine gewisse Familie von Bakterien, so zum Beispiel bei Salmonella (Thyphus), zu finden.
1.2 Synthetische Insektizide
lassen sich in 1.2.1: anorganische und 1.2.2: organische Insektizide einteilen.
1.2.1 Anorganische Insektizide
wie Arsen-Präparate, Kryolith oder Cyanwasserstoff sind in der Bundesrepublik verboten.
1.2.2 Organische Insektizide
werden wie folgt eingeteilt:
Chlorkohlenwasserstoffe sind fettlösliche, oftmals recht beständige Verbindungen wie DDT, Lindan oder Aldrin die sich leicht im Fettgewebe anreichern. Gemeinsame toxische Eigenschaft aller flüchtigen Chlorkohlenwasserstoffe ist ihre narkotische und hautreizende Wirkung Die spezifische Toxizität ist an den jeweiligen Metabolismus geknüpft.
Hochchlorierte Substanzen mit insektizider Wirkung wie Aldrin wirken allgemein neurotoxisch auf Warmblütler, also auch dem Menschen. Vergiftungserscheinungen sind Übererregbarkeit und Lähmungen.
Phosphorsäureester: Sog. Dialkylphosphate besitzen eine hohe neurotoxische Wirkung durch Hemmung der Acetylcholinesterase, ein Enzym, das für den Abbau von durch die Übertragung von Nervenimpulsen gebildetem Acetylcholin verantwortlich ist. Eine solche Blockierung führt zu einer Daueranregung, die mit dem Tod enden kann.
Es ist daher nicht verwunderlich, daß Phosphorsäureester nicht nur als Kontaktinsektizide, sondern auch als chemische Kampfstoffe Verwendung finden.
Synthetische Pyrethroide wie Allethrin, Cyfluthrin und Permethrin.
Die Wirkung von Insektiziden kann im Laufe der Zeit eingeschränkt werden, da die Schädlinge Resistenzen entwickeln. Daher erscheint ein Einsatz von Synergisten, also Stoffen, die selbst keine insektizide Wirkung besitzen, aber zusammen mit Insektiziden deren Wirkung verstärken, sinnvoll.
Quelle: Gesellschaft für Verantwortung in der Wissenschaft e.V.
2. Inhaltsstoffe konventioneller Shampoos gegen Kopfläuse:
Inhaltsstoffe von Mosquito Spezial Läuse Shampoo
Aqua, Sodium Laureth Sulfate, Cocamidopropyl Betaine, Glycine Soja, Hydrolyzed Collagen, Glycosphingolipids, Geranium Ohne synthetische Parfümierung, Konservierungsstoffe, Insektizide.
Inhaltsstoffe von Infecto Pedicul
100 ml enthält:
Arzneilich wirksamer Bestandteil:
0,43 g Permethrin (cis/trans: 25/75)
Ethanol, 2-Propanol (=Isopropanol), Wasser, Propylenglycol, Natriumdihydrogenphosphat
Inhaltsstoffe von Goldgeist Forte
100 g Netzmittellösung enthalten :
Pyrethrumextrakt 0,3 g mit n-Hexan aus Blüten von Chrysanthem. cinerariaefol. gewonnen (entspricht 75 mg Gesamtpyrethrine); Piperonylbutoxid 0,7 g; Chlorocresol 0,9 g; Diethylenglycol 40,0 g.
Inhaltsstoffe von Aesculo L
Kokosöl und dessen Derivate, Gereinigtes Wasser, Decansäure, flüssiges Jojobawachs, Ceteareth12, Cetamacrogol1000, Methyl-4-hydroxybenzoat (E216), Carbomer, Tocopherol-alpha-acetat, Dexpanthenol, Aloe vera Gel 10:1, Phenethylalkohol
3. Weitere Informationen zu einzelnen Insektiziden:
Lindan
Lindan ist ein farbloses, nahezu geruchloses, nicht brennbares Pulver.
Es ist in Wasser nur sehr wenig, in organischen Lösungsmitteln aber gut löslich.
Lindan zersetzt sich bei Kontakt mit heißen Gegenständen bzw. in der Flamme unter Bildung von giftigen, korrosiven Dämpfen (Chlorwasserstoff, Phosgen).
Schmelzpunkt: 112-114°C
Siedepunkt: 323.4°C
Lindan ist ein weitverbreitetes Kontaktinsektizid. Es wird etwa seit 1945 im Haushalt und Hausgarten (gegen Ameisen, Schaben, Flöhe, Milben, Läuse, z. B. Ameisenfrei®), zum Textilschutz (z. B. Rinal Mottenhexe® zur Mottenbekämpfung im Kleiderschrank), in der Vetereinärmedizin (z. B. Dermakulin® ) und zur äußerlichen Anwendung beim Menschen (z. B. Jacutin® ) eingesetzt. In den meisten Holzschutzmitteln war es bis zur Mitte der achziger Jahre in einer Konzentration von 0,5 bis 2 % enthalten.
In der Humanmedizin wird Lindan weiterhin als aktives Agens in Pudern, Gels und Salben zur Behandlung von Milben (z. B. die Krätzmilbe), Kopf- und Filzläusen (z. B. wird bei der Behandlung von Krätze=Scabies Jacutin® eingesetzt; dieses enthält 0,3 g Lindan in 100 g). Als medikamentöse Alternative stehen nur toxikologisch ebenfalls nicht unbedenkliche Insektizide zur Verfügung.
In hohen Dosen wirkt Lindan neurotoxisch. Die Symptomatik der akuten Toxizität für Menschen entspricht der anderer chlorierter zyklischer Kohlenwasserstoffe. Akute Vergiftungen treten nur bei unsachgemäßer Handhabung im direkten Umgang mit der Substanz auf.
Die Vergiftungen äußern sich in Störungen des zentralen und peripheren Nervensystems, die sich durch Übelkeit, Kopfschmerz, Erbrechen, Schwindel, Zittern und Unruhe bis hin zu Krämpfen bemerkbar machen. Die krampfauslösende Dosis wird beim Menschen auf 10 bis 20 mg/kg Körpergewicht, also mehr als das 10.000-fache des ADI-Wertes, geschätzt.
Chronische Lindanvergiftungen äußern sich in einer Aktivitätssteigerung von Leberenzymen, in einer (weitgehend reversiblen) Lebervergrößerung, motorischen Störungen und einer Degeneration des Nervensystems. Bei intensivem HCH-Kontakt wurden Knochenmarksschädigungen beobachtet, die häufig Anämien (Blutarmut) zur Folge hatten.
Lindan zeigt weder teratogene (fruchtschädigende) noch mutagene Wirkungen; in Langzeitfütterungsversuchen mit bestimmten Mäusestämmen wurden Lebertumore induziert, jedoch nicht bei Ratten.
Quelle: Fachinformation Umwelt und Gesundheit
Lindan ist seit einiger Zeit EU-weit verboten und darf nur noch bis Ende 2007 aufgrund von Übergangsregeln in Arzneimitteln verwendet werden!
Permethrin
Permethrin gehört zur Gruppe der Pyrethroide. Diese haben, beginnend etwa Anfang der 80er Jahre, das Lindan aus fast allen angestammten Bereichen verdrängt, d.h. im Pflanzen-, Holz- und Textilschutz sowie bei der Schädlingsbekämpfung im Innenraumbereich.
In den westlichen Bundesländern waren 1992 im nicht-agrarischen Bereich etwa 650 verschiedene Schädlingsbekämpfungsmittel erhältlich. Dabei unterscheiden sich die Zusammensetzungen der Mittel häufig nur geringfügig voneinander. In diesen Präparaten waren 58 unterschiedliche Wirkstoffe enthalten, die meisten stammen aus den Stoffgruppen der Pyrethroide und Organophosphate. Gerade im Bereich der privaten Haushalte, in Großküchen und in lebensmittelverarbeitenden Betrieben kam den Pyrethroiden die größte Bedeutung zu.
Permethrin zählt zu den Kontaktgiften mit Langzeitwirkung. Je nach Anwendung sowie Material und Raumbedingungen kann Permethrin zu Belastungen der behandelten Materialien und Räume über einen Zeitraum von einem halben bis einem Jahr (unter Umständen auch länger) führen.
Toxikologie von Permethrin:
Permethrin wird meist als mindergiftig für Warmblüter angesehen. Diese Einschätzung leitet sich vor allem von Fütterungsversuchen und Versuchen zur Aufnahme über die Haut an Tieren ab.
Von der gesunden Haut werden Pyrethroide nur schlecht aufgenommen. Hier kann jedoch eine etwaige Vorschädigung der Haut (Verletzungen, bestehende Allergien) eine entscheidende Rolle zur veränderten Aufnahme führen.
Für Pyrethroide liegen keine MAK-Werte vor. Neben den wissenschaftlichen Hinweisen auf die Schädlichkeit der Pyrethroide gibt es leider auch die Berichte Betroffener, die über Gesundheitsschäden vor allem nach Schädlingsbekämpfungs- maßnahmen mit Pyrethroiden klagen.
Akute Pyrethroidvergiftungen beim Menschen werden dabei als recht typisch beschrieben. In erster Linie werden Mißempfindungen (Parästhesien) im Bereich der Haut, insbesondere auf der Gesichtshaut und Schleimhäuten genannt (Stechen, Jucken oder Brennen bis hin zur Taubheit, sowie Augenreizungen, Tränen- und Nasenfluß, ohne das jedoch klinische Symptome einer Verbrennung wie Ödeme oder Bläschenbildung festzustellen sind).
Im Allgemeinen verschwinden diese Symptome innerhalb kurzer Zeit (max. einige Tage). Neben diesen Hautreizungen kann es zu Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel und Müdigkeit kommen. In schweren Fällen treten Krampfanfälle und Faszirkulieren (ungeregelte und blitzartig auftretende Zuckungen) der Muskulatur, sowie Bewußtseinsstörungen bis hin zum Koma auf.
Das Krankheitsbild einer chronischen Vergiftung durch geringe Schadstoffmengen weist allerdings nur unspezifische Symptome auf, so daß es oft nicht zu einer richtigen Diagnose kommt. Als Symptome werden hier vor allem Störungen des Nervensystems im Sinne eines neurotoxischen Syndroms beschrieben.
Im Vordergrund stehen Beeinträchtigungen der intellektuellen Leistungsfähigkeit mit Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, mangelndem Durchhaltevermögen bei konzentrativer Arbeit und Minderung sprachlich- kommunikativer Kompetenz durch Wortfindungsstörungen, häufige sprachliche Ungeschicklichkeiten wie Silbenverdrehung und Benutzung unscharfer Termini. Weiterhin finden sich Beeinträchtigungen der Affektivität (Einheit des Gefühlslebens) mit Verlust von Lebensfreude, Antrieb und Motivation und einer depressiven Verstimmung, was in der Regel einen ausgeprägten sozialen Rückzug zur Folge hat.
Neurotoxische Wirkung von Permethrin :
Entstehung und Fortleitung einer Erregung in einer Nervenfaser beruhen auf Prozessen, die sich an der Zellmembran abspielen. Diese 6-10 nm dicke Lipid- Protein-Schichttrennt das Innere der Faser vom extrazellulären Raum. Aufgrund der unterschiedlichen Natrium-/ Kalium-Ionenverteilung zwischen Innen- und Außenraum der Zelle entsteht eine Ladungsdifferenz.
Der Grundprozess der Erregung einer Nervenzelle besteht in einer kurzzeitigen Veränderung des Membranpotentials, indem nach einem Depolarisationsvorgang das Membranpotential in einem
Repolarisationsvorgang wieder auf den Ruhewert zurückkehrt. Unter Normalbedingungen werden während des Repolarisationsvorganges die Natriumkanäle geöffnet, und, sobald das Membranpotential wieder auf den Ruhewert zurückgekehrt ist, wieder geschlossen.
Die Hauptwirkung des Permethrins liegt darin, das Schließen der Natriumkanäle zu verzögern. Daraus resultiert ein verlängerter Natriumeinstrom, der zu einer Blockierung der Informationsübertragung im Nerv führen kann.
Permethrin gehört zu den Pyrethroiden des Typs I (ohne a-cyano Gruppe). Diese Pyrethroide rufen Symptome ähnlich wie DDT hervor, wie zum Beispiel Tremor (Zittern), Übererregbarkeit, Ataxie (Störung der Bewegungskoordination) und Konvulsion (Krämpfe). Diese Symptome werden auch zusammengefasst als T-Syndrom (nach dem deutlichen Tremor) bezeichnet.
Weitere interessante links zum Thema Insektizide:
http://de.wikipedia.org/wiki/Pyrethrum




